"Alimentazion"
ladinisches Wort für Ernährung; "alimenta": lateinisches Wort für Nahrung/Lebensmittel

Schilddrüsengesundheit: Hashimoto Thyreoiditis (23.05.2018)

Anlässlich der diesjährigen weltweiten Woche der Schilddrüsengesundheit, möchte ich einige Informationen und Empfehlungen zur Schilddrüsengesundheit allgemein und zur autoimmunen Schilddrüsenerkrankung Hashimoto Thyreoiditis geben.

Funktion der Schilddrüse: die Schilddrüse (Glandula thyreoidea) ist die größte endokrine Drüse des Körpers. Ihre Hauptfunktion besteht in der Speicherung von Jod und der Bildung der jodhaltigen Schilddrüsenhormone Tetrajodthyronin (Thyroxin, T4) und Trijodthyronin (T3, aktives Hormon), die zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper regulieren. Sie haben eine große Bedeutung für die geistige und körperliche Entwicklung, beeinflussen den Stoffwechsel und somit auch den Energieumsatz und die Leistungsfähigkeit.

Schilddüsenfehlfunktionen:

Hyperthyreose (Überfunktion): bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) geht die Produktion von T4 und T3 über den Bedarf hinaus. Es kommt dadurch zu einer Steigerung des Stoffwechsels und in Folge des Grundumsatzes, der Körpertemperatur und Herzfrequenz mit Symptomen wie Gewichtsverlust, Schlaflosigkeit, Schwitzen, Wärmeintoleranz, Nervosität und Diarrhoe (Durchfall).

Hypothyreose (Unterfunktion): Ursachen für eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) können angeborene Defekte (z.B. Fehlen oder Minderentwicklung der Schilddrüse) oder Störung der Biosynthese der Schilddrüsenhormone sein. Dadurch kommt es zum Kretinismus, der durch vermindertes Wachstum, Störung der Gehirnentwicklung und Verlangsamung der Stoffwechselprozesse gekennzeichnet ist. Die Erkrankung kann bei frühzeitiger Diagnose (Neugeborenenscreening) durch die Substitution von Schilddrüsenhormonen gut behandelt werden. Eine Hypothyreose kann auch bei Jodmangel oder durch eine Autoimmunthyreoiditis (z.B. Hashimoto Thyreoiditis) erworben werden. Der erniedrigte Hormonspiegel stimuliert die Hypophyse zur vermehrten Produktion von TSH (Thyroidea-stimulierendes Hormon), wodurch das Wachstum der Schilddrüse angeregt wird, aber nicht mehr Hormone gebildet werden. Typische Symptome einer Unterfunktion sind unter anderem Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, depressive Verstimmung, Obstipation, verlangsamte Herzfrequenz, arterielle Hypotonie, Ödeme, Zyklusstörungen, Haarausfall und Hautprobleme. Längerfristig kann es zu einer Kropfbildung kommen.

Struma (Kropf): eine Vergrößerung des Schilddrüsengewebes erfolgt unter Bildung eines Kropfes (Struma). Diese Erkrankung geht meist mit einer Störung der Schilddrüsenfunktion einher. Die häufigste Ursache ist Jodmangel und in Folge können nicht ausreichend Hormone gebildet werden. Daraufhin schüttet die Hypophyse vermehrt TSH aus und der Körper lässt so die Schilddrüse wachsen, um durch eine größere Drüse den Hormonbedarf sicherzustellen, was aber bei Jodmangel wenig nützt.

Autoimmune Schilddrüsenentzündung Hashimoto-Thyreoiditis

  • Autoimmunerkrankung: Definition

Bei einer Autoimmunerkrankung findet eine überschießende Reaktion des Immunsystems gegen körpereigene Strukturen, vor allem Proteine statt. Das Immunsystem hält diese irrtümlicherweise für fremd und reagiert entsprechend darauf mit der Bildung von Autoantikörpern. Auslöser ist dem her eine Störung des adaptiven Systems bzw. der erworbenen Immunabwehr.

Die Pathogenese ist unklar, aber viele Faktoren werden als Auslöser diskutiert: genetische Ursachen, hormonelle Faktoren, Umwelteinflüsse (z.B. UV-Strahlung, Umweltgifte wie Schmermetalle oder Chemikalien), Medikamente oder Infektionen. Im Zusammenhang mit Infektionen ist die Hypothese des molekularen Mimikrys zu erwähnen, da eine Infektion diesen Vorgang auslösen kann. Im Zusammenhang mit genetischen Ursachen wird ein Defekt oder Fehlen des Transkriptionsfaktors Autoimmune Regulator (AIRE) als Auslöser für eine Autoimmunerkrankung diskutiert. Bei der Ausbildung der zentralen Toleranz im Rahmen der negativen Selektion von T-Zellen, ist AIRE an der Vermeidung einer Autoimmunität beteiligt. Er ist dafür zuständig, dass autoreaktive T-Zellen, die auf gewebespezifische Antigene reagieren, in Apoptose (Zelltod) gehen.

Beispiele für andere Autoimmunerkrankungen sind: Multiple Sklerose, Diabetes Mellitus Typ 1, Rheumatoide Arthritis, Myasthenia gravis, Systemischer Lupus erythematodes und Hashimoto Thyreoiditis.

  • Krankheitsbild

Bei der Autoimmunerkrankung Hashimoto Thyreoiditis handelt es sich um eine chronische Entzündung der Schilddrüse, bei der das Immunsystem die Schilddrüse irrtümlicherweise als fremd erkennt und Antikörper gegen die hormonproduzierenden Schilddrüsenzellen bildet. Folglich können die zerstörten Zellen nicht mehr ausreichend Hormone bilden und somit kommt es zu einer Unterfunktion (Hypothyreose). Sie gilt als häufigste Ursache für eine erworbene Schilddrüsenunterfunktion. Die Erkrankung betrifft zirka 5-10 % der Bevölkerung und betrifft viel häufiger Frauen als Männer.

Verschiedenste Faktoren werden als Auslöser für eine Erkrankung diskutiert. Betroffene leiden häufig auch an anderen Autoimmunerkrankungen, die durchaus auch Folge oder Ursache dieser Schilddrüsenfehlfunktion sein können. Zu Beginn der Erkrankung liegen noch keine Beschwerden vor. Im Verlauf der Erkrankung, wenn ein gewisser Anteil an Gewebe zerstört wurde, entwickelt sich eine Hypothyreose. Die Symptome können in ihrer Art und Ausprägung stark variieren. Betroffene können aber auch beschwerdefrei sein. Die Patienten können auch eine Struma (Kropf) entwickeln. HT ist nach dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto benannt, der das Krankheitsbild 1912 erstmals beschrieben hat.   

Typische Symptome sind:

  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Erhöhte Kälteempfindlichkeit
  • Verstopfung
  • unerklärliche Gewichtszunahme
  • Häufiges Räuspern
  • Ausgedunstetes Gesicht
  • Trockene Haut
  • Dünnes, glanzloses Haar, Haarausfall
  • Depressive Symptome
  • Menstruationsbeschwerden
  • Konzentrationsstörungen
  • Brain fog (Nebel im Gehirn)
  • Schlechtes Erinnerungsvermögen
  • Muskelschwäche
  • Schlafstörungen
  • Erniedrigte Herzfrequenz


  • Diagnose

Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über die Funktion der Schilddrüse und das Vorhandensein von Autoantikörpern. Eine Unterfunktion muss aber nicht in jedem Fall vorliegen. Zu Beginn der Erkrankung, kann es kurzzeitig zu Perioden einer Hyperthyreose (Überfunktion) kommen, da die Zellen zugrunde gehen und die gespeicherten Schilddrüsenhormone vermehrt ins Blut abgegeben werden. Die Diagnose endgültig bestätigen kann man mittels Ultraschall (Sonografie). Ein Ultraschall gibt Aufschluss über die Größe bzw. das Volumen der Schilddrüse und über das Aussehen des Gewebes. Eine beginnende Schilddrüsenentzündung sieht man im Ultraschall oft schon lange bevor Antikörper im Blut nachweisbar sind.

Charakteristisch beim Ultraschall ist eine echoarme, dunkle und inhomogene Struktur der Schilddrüse, die auf Entzündungsprozesse aufgrund von Autoantikörpern zurückzuführen ist. Typisch sind ein erhöhtes TSH, erniedrigte Werte von T3 und T4 und das Vorhandensein von Antikörpern gegen die TPO (TPO-AK) und gegen TG (Tg-AK). TRAK-AK sind negativ. Zuverlässiger für die Beurteilung der Schilddrüsenfunktion ist das Bestimmen der freien ungebundenen Formen der Schilddrüsenhormone fT3 und fT4, da T4 und T3 an Eiweiße gebunden sind, die Eiweißkonzentration im Blut aber schwanken kann. Neben der Sonographie, können eventuell noch weitere Untersuchungen, wie eine Szintigraphie oder eine Feinnadelpunktion notwendig werden.

  • Therapie

Da sich die Entzündung nicht mehr stoppen lässt, steht die Behandlung der Symptome der Hypothyreose im Vordergrund. Diese erfolgt durch eine meist lebenslange Gabe von Schilddrüsenhormonen je nach Laborergebnissen in Form von T4, T3 oder als Kombinationspräparat (T4+T3). Eine Heilung der Erkrankung ist bisher nicht möglich. Besondere Phasen im Leben von weiblichen Betroffenen stellen Kinderwunsch, Schwangerschaft und das Stillen dar. Die richtige Einnahme der Schilddrüsenhormone und eine gute Einstellung der Schilddrüsenfunktion mit der richtigen Dosis und regelmäßige Kontrollen sind sehr wichtig.

  • Bedeutung der Ernährung und einzelner Nährstoffe für den Krankheitsverlauf

Die Ernährung allgemein und andere diätetische Maßnahmen wie z.B. Supplementierung von einzelnen Nährstoffen, können einen sehr großen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung ausüben. Eine medikamentöse Intervention alleine, ist definitiv nicht ausreichend, um die Symptome weitestgehend zu bekämpfen und das Auftreten von Folgeerscheinungen zu vermeiden. Da bei der Erkrankung das Immunsystem beteiligt ist, sollen besonders die Nährstoffe, die im direkten Zusammenhang mit der Schilddrüse stehen, aber auch diejenigen, die mit dem Immunsystem interagieren, in Betracht gezogen werden.

Essentielle Nährstoffe in der Therapie von Hashimoto sind: Selen, Zink, Jod (natürliches Jod z.B. Algen, aber nicht das in Speisesalz!), Eisen, Magnesium, Vitamin D, B-Vitamine (vor allem B12, Folsäure), Vitamin C, Omega-3-Fettsäuren und Aminosäuren wie z.B. Tyrosin. Das Aufrechterhalten adäquater Blutspiegel, eventuell mit Hilfe von Supplementen ist sehr zu empfehlen, denn der Verlauf der Erkrankung und die Funktion der Schilddrüse werden stark beeinflusst.

In diesem Zusammenhang habe ich meine Bachelorarbeit über die Bedeutung einzelner Nährstoffe bei der autoimmunen Schilddrüsenentzündung Hashimoto-Thyreoiditis geschrieben.

Viele Ernährungsformen, Lebensmittel und Nährstoffe werden angepriesen und andere wiederum werden als ungeeignet oder teilweise sogar als schädlich (z.B. Gluten, Soja, Milchprodukte) angesehen. Aber auch bei Medikamenten (z.B. Pille), Nährstoffsupplementen oder Nahrungsergänzungsmitteln teilen sich die Meinungen. Die wissenschaftliche Evidenz ist dabei noch nicht ausreichend, um konkrete Empfehlungen bezüglich der richtigen Ernährungsweise zu geben.

Sehr wichtig ist, dass nicht nur die Symptome, sondern auch mögliche Ursachen bekämpft werden.

Aktuell gibt es mehrere hunderte Millionen Menschen, die sind von einer Schilddrüsenkrankheit betroffen sind.1 Bei bis zu 60 % dieser Erkrankten liegt keine Diagnose vor und diese Menschen quälen sich möglicherweise unnötig durch ihren Alltag, ohne die Ursache für ihre Symptome zu kennen. Viele wissen zwar von der Erkrankung, eine adäquate Behandlung fehlt aber oft.

Ich empfehle mittels Blutabnahme neben den Schilddrüsenwerten (TSH, fT3, fT4, TPO-Antikörper, Tg-Antikörper, TRAK-Antikörper), unter anderem auch die Werte für Vitamin D, Calcium, PTH, Eisen, Ferritin, Vitamin B12, Folsäure und Homocystein kontrollieren zu lassen. Das Aufsuchen eines Schilddrüsenspezialisten bzw. Internisten/Endokrinologen ist sehr hilfreich.